Die verlorene Ziffer – Buk 3x2

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Kompletter Bericht:  (DE)  

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Im November 2014 veröffentlichte Bellingcat einem Bericht, in dem der Buk TELAR (Startfahrzeug für Luftabwehrraketen), der für den Abschuss von Malaysia Airlines Flug 17 verantwortlich ist, als „Buk 3×2“ identifiziert wurde. Die Identifizierung ergab auch, dass das Fahrzeug von der russischen 53. Luftabwehrbrigade in Kursk stammt. Die Buk wurde 3×2 benannt, da die mittlere Ziffer zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Berichtes nicht identifiziert werden konnte.

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Links: Foto von Paris Match,  Rechts: Buk 3×2 im Juni Konvoi

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Die fehlende Ziffer

Im vorliegenden neuen Bericht ist es möglich, die mittlere Ziffer dieser Buk positiv zu identifizieren. Die Identifikation des Fahrzeuges erfolgte dabei anhand von sieben charakteristischen Merkmalen von Buk 3×2, welche unter anderen eine auffällige Delle in einen Seitenblech, weiße Markierungen am Fahrzeug und die Anordnung der Kabelverbindungen zu den Raketenstartrampen am Turm umfassen.

Features on Buk 3x2 that will be compared

Merkmale bei Buk 3×2, die verglichen wurden

Die mittlere Ziffer lautet drei. Die Nummer der Buk, die MH17 abgeschossen hatte, war daher „332“, bevor die Lesbarkeit der mittleren Ziffer verloren ging. Für den neuen Bericht wurden vom Bellingcat Investigation Team dutzende Abbildungen von Buk TELARs, die von Mitgliedern der 53. Luftabwehrbrigade seit 2009 online gepostet wurden, gesammelt und analysiert.

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Buk TELARs 312, 322, and 332

Im Bericht finden sich Details zum Prozess, der zur Festlegung geführt hatte, dass nur die gezeigten drei TELARs der 53. Luftabwehrbrigade mögliche Kandidaten für eine Identifizierung sind. Nach dem Vergleich der sieben besonderen Auffälligkeiten zeigt sich, dass einzig bei Buk 332 eine Übereinstimmung mit den Merkmalen, die bei den Aufnahmen von Buk 3×2 im Juni 2014 in Russland und am 17. / 18. Juli in der Ostukraine an dieser entdeckt wurden, festgestellt werden kann. Die sieben untersuchten Merkmale sind: Seitenschwellerprofil, Typ der Laufrollen (Mischung von Speichenfelgen und Hohlfelgen), Delle im Seitenblech vorne links, Anordnung der Kabelverbindung zu den Raketenstartrampen, weiße Markierungen auf beiden Seitenschwellern, Schriftart und Abstand der Ziffern, sowie die Form und Größe von Öl- bzw. Rußablagerungen beim Auspuff.

Der Bericht, der in seiner Gesamtheit hier herunter geladen werden kann, beinhaltet eine detaillierte Analyse dieser sieben Merkmale. In dieser Zusammenfassung werden im Folgenden nur ein paar der aussagekräftigsten Charakteristika vergleichen.

Bei einer in hoher Auflösung gemachte Aufnahme von Buk 3×2 in der Nähe von Alexeevka, Russland, ist eine Delle im Seitenblech vorne links mit einer umgekehrten S-Form eindeutig zu erkennen.

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Buk 3×2 in der Nähe von Alexeevka – Delle im Seitenblech

Es gibt Aufnahmen der Buks 312, 322 und 332, die ebenfalls einen klaren Blick auf das gleiche Seitenblech erlauben. Der Vergleich der drei Seitenbleche zeigt, dass nur bei Buk 332 eine identische Delle im Seitenblech zu erkennen ist.

Comparisons of left panel dents on Buks 312, 322, and 332, along with 3x2

Vergleich der Delle im Seitenblech bei Buk 3×2 mit den Buks 312, 322 und 332

Es stellte sich weiterhin heraus, dass die Kabelverbindung zu den Raketenstartrampen am Drehturm ein weiteres geeignetes Identifikationsmerkmal zur Bestimmung der richtigen Buk ist. Es gibt insgesamt jeweils vier Kabel auf der linken und rechten Seite, die zu den Startrampen führen, so dass acht Kabel für einen Vergleich zur Verfügung stehen.

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Kabelverbindungen zu den Raketenstartrampen bei Buk 3×2

Nach der Analyse mehrere Buks zeigte sich, dass es eine unterschiedliche Anordnung und Länge dieser Kabelverbindung zwischen den Fahrzeugen gibt. In den folgenden beiden Darstellungen wird die Kabelverbindung von Buk 3×2 mit den Kabelverbindungen von Buk 312, 322 und 332 verglichen.

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Kabelverbindungen rechte Seite

Auf der rechten Seite ist nur bei Buk 332 eine mit Buk 3×2 vergleichbare Kabelanordnung zu erkennen. Das in der Darstellung blau markierte Kabel vier ist mit der oberen Buchse am Drehturm verbunden. Buk 312 und 322 zeigen dagegen eine andere Verkabelung, hier ist das blaue Kabel 4 mit der unteren Buchse verbunden. Außerdem ist bei den Buks 312, 322 und 332 untereinander eine deutliche Abweichung der Kabellängen erkennbar, und wiederum zeigt nur Buk 332 ein ähnliches Bild wie Buk 3×2.

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Kabelverbindungen linke Seite

Der Vergleich auf der linken Seite ist nur teilweise möglich. Die Buchsen am Drehturm auf der linken Seite sind nicht zu sehen. Allerdings zeigen die Kabel in der Mitte bei Buk 332 die gleiche deutliche Spreizung wie bei Buk 3×2. Eine vergleichbare Spreizung lässt sich bei den Buks 312 und 322 nicht feststellen.

Für sich genommen erlaubt keine der sieben Charakteristika eine eindeutige Identifizierung. Alle sieben Merkmale zusammen betrachtet führen aber zum Schluss, dass Buk 332 das einzig logische Gegenstück für Buk 3×2 darstellt.

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Weiterhin zeigt ein Vergleich der Charakteristika von Buk 3×2 in Russland, von Buk 332 und von den vorhandenen Aufnahmen der Buk in der Ukraine (im folgenden „Buk im Separatistengebiet“ genannt), dass es sich bei diesen drei Fahrzeugen tatsächlich um ein und dasselbe Fahrzeug handelt.

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Zwei dieser Eigenschaften, die Speichenfelgen und die H-2200 Transportmarkierung, sind nicht oder nur sehr selten bei ukrainischen Buks zu finden. Insbesondere die Buk TELARs des ukrainischen 156. Luftabwehrraketenregiments, welches 2014 seine Stützpunkte nahe Luhansk, Donetsk und Mariupol hatte, zeigen keine sichtbaren Ähnlichkeiten bei den überprüften Merkmalen mit Buk 3×2, weder bei den Aufnahmen in Russland noch in der Ukraine. Es kann daher festgestellt werden, dass am 17 Juli 2014 der russische Buk TELAR der russischen 53. Luftabwehrraketenbrigade aus Kursk mit der Nummer 332 im Osten der Ukraine gefilmt und fotografiert wurde. Diese spezifische Buk, bisher als Buk 3×2 identifiziert, wurde gefilmt, als sie sich in das Zentrum des vom Dutch Safety Board berechneten Startgebietes der Rakete, die an diesen Tag MH17 abschießen sollte, bewegt hatte.

Danksagung:

Wir würden gerne unseren Dank gegenüber mehreren russisch-sprachigen Online-Communities aussprechen, die beim Auffinden des genutzten Materials mit geholfen haben und bei denen wertvolle Untersuchungsansätze diskutiert wurden bzw. von diesen stammen. Im Besonderen möchten wir die Leistungen von flight-mh17.livejournal.com und forum.smolensk.ws hervorheben und uns bei deren Mitgliedern bedanken. In beiden Communities befinden sich Mitglieder mit scharfem Auge, insbesondere geht die Entdeckung der Delle im Seitenblech von Buk 332 und Details bezüglich der Felgen bei Buk TELARs auf Mitglieder dieser beiden Foren zurück.