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Das russische Verteidigungsministerium legt neue Beweise vor, die belegen, dass ihre früheren Beweise gefälscht waren

September 27, 2016

By Eliot Higgins

Am 21. Juli 2014 präsentierte das russische Verteidigungsministerium seine Beweise im Bezug auf dem am 17. Juli abgeschossenen Flug MH17. Bellingcat hat die in dieser Pressekonferenz gemachten Behauptungen im Detail untersucht und gezeigt, dass alle wesentlichen Aussagen der damaligen Pressekonferenz falsch sind. Dies reicht von den Behauptungen über die präsentierten Satellitenbilder bis hin zu den Behauptungen über die Bewegung eines Buk Raketenwerfers.

Heute präsentierte das russische Verteidigungsministerium frische Radardaten, die angeblich bisher verlegt gewesen sind und welche die Situation über der Ukraine am 17. Juli 2014 zeigen sollen. In dieser Präsentation wird MH17 identifiziert und seine Flugroute ab 13:04 gezeigt.

 

Am 21. Juli 2014 zeigte das russische Verteidigungsministerium folgende Grafik und behauptete:

„Weiterhin hat das russische System der Luftkontrolle ein Flugzeug der ukrainischen Luftwaffe identifiziert, vermutlich eine SU-25, das sich aufsteigend in Richtung der malaysischen Boeing-777 bewegte. Der Abstand zwischen beiden Flugzeugen betrug 3 bis 5 Kilometer“

su25

Sie gingen sogar noch weiter und behaupteten, dass kurz nach dem Auseinanderbrechen von MH17 ein Objekt auf dem Radar erschien, welches sie als ein Flugzeug in der Nähe von MH17 identifiziert hätten.

In der heutigen Pressekonferenz wurde eine vollkommen andere Geschichte präsentiert. Das russische Verteidigungsministerium sprach nicht länger von einem Flugzeug vom Typ SU-25, vielmehr gibt es jetzt weder ein anderes Flugzeug noch anderes Objekt in der Nähe von MH17. Das russische Verteidigungsministerium hat daher jetzt selbst bestätigt, was Bellingcat schon früher berichtet hatte, nämlich, dass sie für die Pressekonferenz am 21. Juli 2014 falsche Beweise fabriziert gehabt haben.

Zusätzlich wurden in der heutige Pressekonferenz Radardaten gezeigt, auf denen der Flugweg von MH17 in der Zeit vor dem Abschuss zu sehen ist:

mh17-press-conference

Der heute gezeigte Flugweg steht im klaren Widerspruch zu dem Flugweg, den das russische Verteidigungsministerium noch 2014 unterstellt hatte. Bellingcat und andere haben bereits entlarvt, dass die damals behauptete deutliche Kursänderung von MH17 kurz vor dem Abschuss so nie stattgefunden hat:

su25flightpage

Somit wird erneut deutlich, dass am 21 Juli 2014, wenige Tage nachdem 298 Menschen über der Ukraine getötet worden waren, das russische Verteidigungsministerium der Welt eine Reihe von erfundenen Beweisen und Behauptungen präsentiert hatte. Heute belegt das russische Verteidigungsministerium jedoch die Falschheit seiner bisherigen Aussagen sogar mit den neuen eigenen Beweisen.

Eliot Higgins

Eliot Higgins is the founder of Bellingcat and the Brown Moses Blog. Eliot focuses on the weapons used in the conflict in Syria, and open source investigation tools and techniques.

14 Comments

  1. Mr.Bushkin

    Zitat: “Das russische Verteidigungsministerium hat daher jetzt selbst bestätigt, was Bellingcat schon früher berichtet hatte, nämlich, dass sie für die Pressekonferenz am 21. Juli 2014 falsche Beweise fabriziert gehabt haben.”

    Offensichtlich wurden in erster Linie Aufzeichnungen unterschiedlicher Primärradare präsentiert, was immerhin mehr als das Twitterbild des US-Verteidigungsministeriums ist.

    Insofern sind alle drei der Öffentlichkeit präsentierten Varianten mehr oder weniger gleichermaßen stichhaltig respektive zweifelhaft.

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    • Philipp

      Mr. Bushkin probierts mit gutem altem Whataboutism. Warum nicht. Es ist aber kein Unentschieden und es ist auch kein US-amerikanisches Flugzeug abgeschossen worden. Vielmehr ist von russischen Seperatisten, mit Waffen der russischen Armee, ein malayisches Flugzeug abgeschossen worden, welches hauptsächlich mit Niederländern besetzt war. Wie sagte Kerry neulich so schön: Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung, aber nicht auf seine eigenen Fakten.

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      • Mr.Bushkin

        Zitat: “Mr. Bushkin probierts mit gutem altem Whataboutism. Warum nicht. […] Wie sagte Kerry neulich so schön: Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung, aber nicht auf seine eigenen Fakten.”

        Das Stattfinden von zwei unterschiedlichen Präsentationen der Aufzeichnungen von von zwei unterschiedlichen Primärraderen ist nun mal keine Meinung.

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    • Timmi Allen

      Selbst unterschiedliche Primärradare sollten ein und das selbe Ereignis gleichartig aufzeichnen. Also hat das russische Veteidigungsministerium mindestens eins davon gefälscht. Wieso eine russische Fälschung mehr als die Informationen der USA sein sollen, erschließt sich mir nicht.

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      • Mr.Bushkin

        Zitat: “Selbst unterschiedliche Primärradare sollten ein und das selbe Ereignis gleichartig aufzeichnen.”

        Das gilt nur bei identischer Postion und identischer Auflösung.

        Zitat: “Wieso eine russische Fälschung mehr als die Informationen der USA sein sollen, erschließt sich mir nicht.”

        So steht das auch in meinem Kommentar, nur dass das Gegenteil davon gleichermaßen gilt.

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        • Zarko

          Mr. Bushkin ist ein Troll. Wenn du glaubst, dass die unterschiedliche Primärradare unterschiedliche Aufzeichnungen machen, dann sollten diese Aufzeichnungen nicht als Beweise verwendbar sein! Warum verwenden die Russen diese Aufzeichnungen denn?

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  2. llluuuzzziii

    Süss ist ja die Vorstellung, dass die Russen ihre Lügen auch noch fälschen sollen! ;o) Rein akademisch betrachtet könnte eine gefälschte Lüge auch die reine Wahrheit sein. Oder so. Oder anders?
    (Zur Erläuterung: Aussage 1: Die Beweise der Russen sind gefälscht. Aussage 2: Die Beweise der Russen sind gelogen. Sind also ihre Lügen von ihnen selber gefälscht?)
    Davon abgesehen freut es den gemeinen Russen bestimmt sehr, dass selbst bellingcat die heute vorgelegten Beweise als echte und wahre Beweise akzeptiert. ;o)

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    • Timmi Allen

      Offenbar haben Sie den Artikel nicht richtig verstanden. Wenn das russische Verteidigungsministerium behauptet:

      2014 – Wir haben ein ukr. Kampfflugzeug in 3 bis 5 km Entfernung gesehen
      2016 – Im Umkreis von 30 km waren keine anderen Flugzeuge
      und
      2014 – Der Flugweg von MH17 wurde nach Norden verändert
      2016 – Der Flugweg verlief gerade und wurde nicht verändert

      dann sind das gegensätzliche Aussagen, die man nicht gleichzeitig beweisen kann. Ob und welche der Beweise echt oder wahr sind, lässt sich damit nicht beurteilen. Aber es beweist, dass mindestens eine Aussage eine Lüge war.

      Gleichzeitig wird in der PK am 26.9.2016 vom russ. MoD behauptet, die Nichtnachweisbarkeit einer Buk-Rakete wäre ein Beweis für einen Abschuss aus Zarochenskoe und schließe einen Abschuß aus Snihzne aus.

      Die Nichtexistenz ist nicht Beweisbar. Grundlage der Logik.
      PS: Wo steht, dass die Russen ihre Lügen gefälscht haben? Der Satz lautet: “Sie haben ihre Beweise gefälscht”

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      • Klaus

        Vielleicht war die erste Presebtation nur das Produkt einer schlechten Anlyse. Es ist allerdings noch weit weg von einem Schuldbekenntnis. Was ich mich frage bei der Arbeit von Billingcat, warum fixiert sich die gesamte Arbeit auf nahe los ausschließlich Russland derweil alle anderen Akteure in den verschiedenen Tatorten ausgeblendet werden? Kann es sein dass das angeblich unabhängig offene ihrer Plattform lediglich die Fassade einer vorgefärbten Berichtgebung ist?

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        • Klaus

          Übrigens auch interessant; “Your comment is awaiting moderation.”
          Ja, klingt sehr unbefangen

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        • Timmi Allen

          Nur eine schlechte Analyse des Verteidigungsministeriums einer Atommacht? Nuklearraketen in den Händen unfähiger russischer Offiziere? Wollten Sie das damit sagen?

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